Evelyne Aschwanden Interview

Interview mit Evelyne Aschwanden

Die Fantasyautorin Evelyne Aschwanden war so freundlich, mir ein paar Fragen zu beantworten.
Im Interview erfahrt ihr einiges über ihre erste Buchreihe: Die Anderswelt-Saga. Wir haben über das Schreiben, Self-Publishing und persönliche Ansichten gesprochen. Zu guter Letzt gibt Evelyne Aschwanden einige Tipps für angehende Autoren: “Immer weitermachen. Dich nicht ständig mit anderen vergleichen, sondern einfach dein Ding durchziehen.”

Evelyne Aschwanden wurde 1996 in einem kleinen Bergdorf in der Schweiz geboren. Mit sieben Jahren hat sie bereits ihre erste Geschichte erfunden und sich dabei gleich selbst beigebracht, mit drei Finger auf der Tastatur zu tippen.
Ihre Leidenschaft für Fantasy begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Am wohlsten fühlt sie sich in der Urban- bzw. Contemporary Fantasy (zeitgenössische Fantasy).
Selbst sagt sie über sich: “Für mich gibt es kein Genre, das auch nur annähernd so abwechslungsreich ist wie Fantasy: Es erlaubt mir, an die Grenzen meiner eigenen Wirklichkeit zu stoßen – und manchmal sogar darüber hinauszugehen.”
Seit 2017 studiert sie an der Fachhochschule für Übersetzer und Dolmetscher.

Zur Anderswelt-Saga

Mit „Schattensuche“ hast du im September 2017 dein erstes Werk veröffentlicht. Wie lange begleitet dich die Geschichte schon?

Die erste Idee zu dieser Geschichte hatte ich bereits 2011. Konkret umgesetzt habe ich das Ganze aber erst 2014, als ich während der Sommerferien den ersten Entwurf in weniger als zwei Monaten niederschrieb. Darauf folgten viele Überarbeitungsrunden und zwei völlig neue Entwürfe, bevor ich mich im Januar 2017 entschied, die Geschichte im Eigenverlag zu veröffentlichen.

 

Wie lange dauert der Entstehungsprozess des ersten Bandes im Vergleich zu den folgenden?

Während ich am ersten Band mehrere Jahre saß, waren es bei Band zwei und drei im Schnitt etwa 5-6 Monate.

 

Hattest du bereits vor dem Schreiben am ersten Band ein Gesamtkonzept für die ganze Reihe oder hat sich alles nacheinander ergeben?

Da ich keine große Plotterin bin, hat sich die Geschichte für mich während des Schreibens des ersten Entwurfs entwickelt. Wie die Trilogie ausgehen wird, habe ich jedoch bereits seit Band 1 gewusst.

 

Fantasy Bücher erkennt man, oft nicht nur vom Cover her als solches, sondern auch von den Karten auf den ersten Seiten des Buches. Wird eine Jubiläumsausgabe der Andersweltbücher vielleicht eine Weltkarte beinhalten?

Wer weiß. 😉 Im Moment ist die Serie jedoch erst einmal beendet und eine Jubiläumsausgabe ist bisher ebenfalls nicht geplant.

 

Einer meiner Lieblingsfiguren ist der Alb. Um was handelt es sich bei einem Alb? Was bedeutet dir dieses Wesen? Warum hast du dich für diese Variante entschieden, um mit Martets Sorgen und Ängsten umzugehen?

Der Alb ist ein mystisches Wesen, das sich nachts auf die Brust von Schlafenden setzt und ihnen Albträume beschert. In der Anderswelt-Saga habe ich die bekannte Variante dieses Fabelwesens ein wenig abgeändert. So beschert der Alb bei mir keine Albträume, sondern ernährt sich von ihnen und den Ängsten der Menschen. Ich glaube, dass der Alb in der Anderswelt-Saga nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinn ein Spiegelbild von Marets Seele darstellt. Je mächtiger er in der Geschichte wird, desto schlechter geht es Maret. So entsteht aus der Vorstellung, was psychische Probleme und Ängste mit einem machen können, etwas Konkretes und Furcht einflößendes.

 

Als du den dritten Band der Anderswelt-Saga beendet hattest, wolltest du nachträglich am ersten oder zweiten Band noch etwas abändern?

Oh ja. Am liebsten hätte ich ja die ganze Trilogie nochmals neu geschrieben. 😉 Aber ich denke, als Autorin muss man auch lernen, nach vorne zu sehen und alte Werke ruhen zu lassen. Man entwickelt sich stets weiter. Da ist es klar, dass man im Nachhinein vieles ganz anders machen würde. Man darf aber auch nicht vergessen, dass jenes Werk das Beste war, dass man zu diesem Zeitpunkt mit dem eigenen Wissen und der eigenen Erfahrung erschaffen konnte.

 

Mit dem dritten Band hast du die Anderswelt-Saga erstmal beendet. Ist es möglich, dass es später doch noch einmal weiter geht und wir von Maret und ihren Freunden noch etwas hören werden?

 Im Moment sind keine Folgebände geplant. Ich kann mir jedoch vorstellen, später einige Abstecher in die Welt der Anderswelt-Saga zu machen – allerdings mit dem Fokus auf Nebencharaktere, die während der Trilogie manchmal etwas zu kurz kamen. Maret und Yanniks Geschichte ist jedoch  abgeschlossen.

 

 

Über Evelyne Aschwanden

 Welches sind deine Lieblingsautoren und welcher Autor hat dich und deinen Scheibstil am meisten geprägt?

Das ist eine schwierige Frage. Als Kind habe ich die Bücher von Cornelia Funke und Michael Ende verschlungen, die beide sicherlich meine Ideen und meine Geschichten geprägt haben. Inzwischen lese ich oft auch Bücher aus dem englischsprachigen Raum. Jonathan Stroud mit seiner „Lockwood & Co.“-Reihe sowie Derek Landy mit „Skulduggery Pleasant“ haben mir da viel Inspiration zu meinen eigenen Büchern geliefert.

 

Viele deiner Geschichten kreisen um Verlust und Tod. Haben dich diese Themen immer schon fasziniert?

Fasziniert ist vermutlich das falsche Wort. Aber sie haben mich in den letzten paar Jahren sehr geprägt und beschäftigt, weil sie vermehrt in meinem Leben aufgetreten sind. Ich sehe das Auftauchen dieser Themen in meinen Geschichten weniger als bewusste Entscheidung, sondern vielmehr als eine unbewusste Handlung, diese irgendwie zu verarbeiten.

 

Du studierst momentan an der Fachhochschule für Übersetzer und Dolmetscher, werden deine Bücher also schon in Kürze in mehrere Sprachen herauskommen?

Das ist momentan noch nicht geplant, aber wer weiß, was die Zukunft bringt. 😉

 

Zum Schreiben

Wie sieht deine tägliche Schreibroutine aus? (Schreibst du täglich? Hast du eine Wort- oder Zeitlimite die du dir setzt?)

Ich schreibe jeden Tag, auch wenn es manchmal nur wenige Wörter sind. Es kommt sehr selten vor, dass ich wirklich keine Zeit zum Schreiben finde. Am Anfang eines Monats setze ich mir jeweils ein Wortziel, das ich bis zum Ende des Monats erreichen will. So mache ich mir mit täglichen Wortzielen nicht allzu viel Druck.

 

Wie unterscheidet sich die Vorgehensweise beim Schreiben einer Serie im Bezug zu einem einzelnen Roman?

Bei einem einzelnen Roman sollten am Ende alle losen Fäden zusammengeführt werden, was nicht immer ganz einfach ist, weil ein einzelner Roman eben nie so lange ist wie eine ganze Reihe. Man muss also aufpassen, dass man nicht plötzlich zu viele Dinge in einen einzelnen Roman packt.

 

Skizzierst du Ortschaften oder Kampfszenen um den Überblick beim Schreiben zu behalten?

Manchmal. Meistens habe ich jedoch bereits ein sehr klares Bild in meinem Kopf, wie die Szene aussehen soll.

 

Einige Leser(innen) deiner Bücher, würden vielleicht gerne selbst ein Buch schreiben. Wie merken sie, ob sie gut genug sind, ihre Geschichten zu veröffentlichen?

Ich glaube nicht, dass man sich für diesen Schritt je wirklich bereit fühlt. Allerdings können einem objektive Testleser einen guten ersten Eindruck geben, woran man noch feilen sollte.

 

Welchen Tipp kannst du angehenden Autorinnen geben, bei dem du selbst froh gewesen wärst, jemand hätte dir das am Anfang deiner Kariere gesagt?

Immer weitermachen. Dich nicht ständig mit anderen vergleichen, sondern einfach dein Ding durchziehen.

 

 

Über Self-Publishing

Du bist Self-Publisherin. Das heißt du musst dich vom Schreiben, über die Gestaltung des Covers, bis hin zur Vermarktung deiner Bücher um alles selbst kümmern. Wolltest du immer schon die volle Kontrolle über dein Schaffen oder hattest du dir schon einmal überlegt deine Arbeit bei einem Verlag unterzubringen?

Ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden und es bis heute auch nicht bereut. Ich liebe die Herausforderung, alles selbst zu machen und bei jedem Schritt die Kontrolle zu haben und meine eigenen Ideen einbringen zu können.

 

Was fällt dir als Self-Publisher am schwersten? Wo sind deine Stärken? (Das Schreiben mal ausgenommen)?

Bisher hat mir der Buchsatz immer am meisten Mühe bereitet. Momentan arbeite ich mich in ein professionelles Buchsatzprogramm ein, was auch nicht ganz einfach ist.

Was meine Stärken angeht, so denke ich, dass ich meine Zielgruppe sehr gut kenne und meine Bücher auch dementsprechend vermarkten kann.

 

Kannst du angehenden Autoren zum Self-Publishing raten und hast du Tipps für sie?

Ich denke, Self-Publishing ist nicht für jeden geeignet. Viele Autoren tun sich schwer damit, ihre Bücher zu vermarkten. Da kann unter Umständen ein Verlag helfen.

Sollte man sich trotzdem fürs Self-Publishing entscheiden, hab ich nur einen Tipp: Unterschätz die Arbeit nicht! 😉

 

Über den Roman “Meereswölfe”

“Meereswölfe” ist der einzige Roman von dir, der für sich alleine steht. War es wichtig für dich, auch ein Buch herauszubringen, das man lesen kann, ohne sich gleich einer Serie zu verpflichten? Wird es weitere einzelne Romane von dir geben, oder hast du mehr Gefallen an Serien gefunden?

Mit Meereswölfe wollte ich ein Buch schreiben, das für sich alleine stehen kann und das eventuell auch neugierig auf andere Bücher aus meiner Hand macht. Allerdings habe ich bereits beim Schreiben bemerkt, dass es mir schwerfiel, all die Ideen auf einen einzigen Roman hinunter zu kürzen. Für die Zukunft werde ich deshalb wohl bei Reihen bleiben.

 

 

Über #ProjektMitternacht

Wie ich gehört habe, ist der erste Band deiner neuen Serie #ProjektMittenacht bereits bei den Testlesern angekommen. Kannst du uns bereits etwas darüber erzählen?

Viel kann ich noch nicht darüber erzählen. Aber genau wie die Anderswelt-Saga wird es voraussichtlich wieder eine Trilogie werden. Im Fokus stehen drei Jugendliche, die ein Elite-Internat in Schottland besuchen und sich plötzlich in den Fäden einer uralten Prophezeiung wiederfinden. Es geht um Freundschaft, Magie und natürlich darf auch ein wenig Liebe nicht fehlen. 😉

 

Wir dürfen uns hoffentlich noch über viele Bücher von Evelyne Aschwanden freuen.
Ich bedank mich herzlich bei Evelyne, für das Interview und die angenehme
 Zusammenarbeit. Es war mir eine Freude!

 

Mehr zu Evelyne Aschwanden und ihren Büchern, findet ihr auf ihrer Website: www.evelyneaschwanden.ch

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